Chorausflug
2006
Auf den Spuren von Joseph
Martin Kraus (1756-1792)
Studienfahrt des Chors der
Jesuitenkirche Mannheim in den Odenwald
„Wer war Joseph Martin Kraus?“
Unter diesem Motto machten sich Mitglieder des Chors der Jesuitenkirche
und weitere Musikinteressierte am 1. Juli auf den Weg zu den Stätten
seiner Kindheit. Die vom Forum A4 mitorganisierte Studienfahrt führte zunächst
nach Buchen im Odenwald, wo sich die Joseph Martin Kraus Gedenkstätte im
Bezirksmuseum befindet, dann weiter über Walldürn mit der
Wallfahrtskirche Heilig Blut nach Miltenberg am Main. Dort wurde der
Komponist am 20. Juni 1756 geboren. Nach den ersten Kinder- und
Schuljahren in Buchen, wo sein Vater hoher Verwaltungsbeamter der Mainzer
Fürsterzbischöfe war, besuchte er zwischen 1768 und 1773 das
Jesuitengymnasium in Mannheim, an dessen Seminarium Musicum er seine
musikalische Grundausbildung erhielt. Nach juristischen und musikalischen
Studienjahren an den Universitäten Mainz, Erfurt und Göttingen wagte er
den Sprung nach Schweden, wo er nach schwierigen Anfängen die
Aufmerksamkeit des legendären Reformkönigs Gustav III. erregte, der ihn
schließlich zum Hofkapellmeister und Direktor der königlichen Oper
ernannte. Im Auftrag des Königs reiste er vier Jahre durch ganz Europa,
um das Musikleben zu erkunden. Ihm blieben aber nur wenige Jahre, sein
Wissen umzusetzen, denn er starb bereits 1792 in Stockholm.
Diese ungewöhnliche Biographie
wurde den Teilnehmern in der Gedenkstätte Buchen an Hand von unzähligen
Exponaten lebendig gemacht. Sie bewiesen auch die vielfältigen Talente
von Kraus, der neben seinen Kompositionen kritische und satirische
Schriften veröffentlichte, Gedichte und ein fünfaktiges Trauerspiel
schrieb. Er soll zudem über 2000 Scherenschnitte von seinen Zeitgenossen
gefertigt haben, von denen sich einige im Museum befinden. Die Mitglieder
des Chors lauschten gebannt den Ausführungen des zuständigen Kurators
Herrn Brosch, der das Leben von Joseph Martin Kraus mit vielen Anekdoten
lebhaft nachzeichnete.
Bei dem kurzen Besuch der
Wallfahrtskirche in Walldürn beeindruckte die Reisegruppe nicht nur die
großartige Barockkirche, sondern auch die lebendige Frömmigkeit der
Wallfahrer, die in zahllosen Gruppen in die Kirche ein- und auszogen.
Der abschließende Stadtrundgang
durch Miltenberg am Main rundete die Kraus-Erkundungsfahrt ab, denn der
Stadtführer erwies sich ebenfalls als profunder Kenner der Kraus´schen
Vita. Obwohl sich in diesem idyllischen Städtchen nur das prachtvolle
Geburtshaus befindet, vor dem dieses Jahr ein Kraus-Denkmal errichtet
wurde, war es eine reizvolle Ergänzung des Besuchs in Buchen.
Die Mitglieder des Chors
interessierten sich vor allem deshalb für diesen außergewöhnlichen
Komponisten, da der Chor am 17. November 2006 aus Anlass des 250.
Geburtstags von Kraus sein Requiem aufführen wird. In diesem Konzert wird
auch Mozart mit der Aufführung zweier Werke geehrt. Schließlich feiert
die Gemeinde auch den 250. Geburtstag der Jesuitenkirche, denn seit 1756
wird sie als Gotteshaus genutzt. Im selben Jahr wurde auch das Seminarium
Musicum des Jesuitengymnasiums Mannheim gegründet, als dessen
bedeutendster Schüler Joseph Martin Kraus gelten darf.
TME
Anbei ein paar Bilder vom Ausflug,
beim Anklicken ist die Darstellung vergrößert.
Die Bilder wurden
freundlicherweise von unserem Mitglied Conchita Sanchez zur Verfügung
gestellt:
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