Seminarium Musicum

Seminarium Musicum

 

Das im Jahre 1994 von Mitgliedern des Orchesters des Mannheimer Nationaltheaters sowie der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und dem jungen Organisten und Chorleiter der Jesuitenkirche Mannheim wieder ins Leben gerufene "Seminarium musicum" knüpft bewußt an die Tradition der Zeit des Kurfürsten Carl Theodors an.

Schon die ersten Konzerte in der Jesuitenkirche haben gezeigt, dass auch in heutiger Zeit großes Interesse für festliche Musik in barockem Rahmen vorhanden ist und Tradition in neuem Gewand lebendig wird!

Das Seminarium musicum ist regelmäßiger musikalischer Begleiter bei den gesanglichen Auftritten des Chors der Jesuitenkirche.

 

Zur Geschichte des Seminarium musicum in der kurfürstlichen Zeit

 

Als 1716 der Kurfürst Carl Philipp seinem kinderlos verstorbenen Bruder Johann Wilhelm auf den Thron folgte, begann eine neue Ära der Kirchenmusik in Mannheim.

Nachdem er seine Regierungsgeschäfte anfangs noch vom Heidelberger Schloß aus tätigte, verließ er 1720 wegen religionspolitischer Streitigkeiten Heidelberg und siedelte nach Mannheim über.

Dort sollte die Kirchenmusik nach dem Vorbild der Jesuiten in Heidelberg eingerichtet werden.

Bis zur Fertigstellung der Schloßkapelle im Jahre 1731 diente die Stadtpfarrkirche am Markt als vorläufige Hofkirche. Schon 1721 sprechen die Jahresberichte der Jesuiten von einer durch den Kurfürst angeordneten obligatorischen "sacrum solenne", einer "feierlichen Messe" für alle Sonn- und Feiertage am Hof.

Zwei Jahre später finden besonders gestaltete gottesdienstliche Veranstaltungen und "geistliche Musiken" statt, denen die erlauchten Herrschaften in der Hofloge beiwohnten.

Die Kirchenmusik an den Festen wird in den Quellen mit überschwenglichen Worten geschildert: "Pompa ac splendor" (Pomp und Glanz) oder "sacrum solenne musicum" ("hochfeierliche musikalische Messe").

Von einem "musikalischen hohen Amt" sprach man damals, wenn konzertante Kirchenkompositionen sowie reine Instrumentalmusik nach der Epistel zur Aufführung kamen.

Unter Kurfürst Carl Theodor, dem Nachfolger Carl Philipps, wurden die Mittel für die höfische Kirchenmusik etwas beschnitten, dennoch blieb die Vielfalt und Aktualität des Repertoires der Hofkapelle bestehen.

Er knüpfte an die reiche Tradition der höfischen Musikpflege an und mit seiner Residenz wurde die Musik am Mannheimer Hof zu einem Zentrum von stilbildender Kraft und europäischem Ruf.

Carl Theodor, der selbst ein versierter Cellist und Flötenspieler gewesen war, hat "seinem Hof zu einer Schule des guten Geschmacks in der Tonkunst" gemacht. Dieser Kurfürst war ein enthusiastischer Verehrer der Tonkunst. Er zog nicht nur die ersten Virtuosen der Welt an seinen Hof, errichtete musikalische Schulen, ließ Landeskinder von Genie reisen, sondern kopierte auch mit vielen Kosten die besten Werke aller Art aus ganz Europa und ließ sie durch seine Tonmeister aufführen. Dadurch unterschied sich bald die Mannheimer Schule von allen anderen, wie Neapel, Berlin, Dresden und Wien. Der Geschmack war dort immer einseitig geblieben. Wenn sich Neapel durch Pracht, Berlin durch kritische Genauigkeit, Dresden durch Grazie, Wien durch das Komischtragische auszeichneten, so erregte Mannheim die Bewunderung der Welt durch Mannigfaltigkeit.

Carl Theodor hatte mit den Komponisten Johann Stamitz, Franz Xaver Richter, Ignaz Holzbauer, Christian Cannabich, Anton Filtz, Ignaz Fränzl und Frank Beck einen Kreis von Komponisten an seinen Hof gebunden, deren Werke von dem großen Musikwissenschaftler Hugo Riemann zu Beginn unseres Jahrhunderts als Wegbereiter der klassischen Instrumentalmusik erkannt worden sind.

Über das Mannheimer Orchester, das sich durch eine nicht gekannte virtuose Spieltechnik und Differenzierung des musikalischen Ausdrucks auszeichnete, berichtet Charles Burney: "Es sind wirklich nur Solospieler und gute Komponisten in diesem als vielleicht in irgendeinem anderem Orchester."

Nach dem Wegzug Carl Theodors mitsamt Hofstaat und dem Großteil seiner Hofkapelle 1778 nach München, wurden die Studenten des Seminars zur Verstärkung der verbliebenen kurfürstlichen Hofkapelle bei Aufführungen im neu gegründeten Nationaltheater (1779) herangezogen, waren aber auch dem kirchlichen Dienst weiterhin verpflichtet.